Brussels (BE) / Lubumbashi (COD

Sammy Baloji / Lazara Rosell Albear

SAMMY BALOJI, * 1978 Lubumbashi, Demokratische Republik Kongo, lebt und arbeitet in Lubumbashi und Brüssel.

LAZARA ROSELL ALBEAR, * 1971  Havana, Kuba, lebt und arbeitet in Brüssel, Belgien

Baloji studierte Literatur- und Humanwissenschaften an der Universität Lubumbashi und arbeitete nach dem Studium zunächst als Comic-Zeichner, bevor er sich verstärkt der Fotografie und Videokunst zuwandte. Sein Interesse gilt der Geschichte und Erinnerungskultur seines Heimatlandes, er sucht in seinen Arbeiten nach zeitgenössischen afrikanischen Identitäten. Dabei verknüpft er die koloniale Vergangenheit des Kongo mit seiner Gegenwart, wiederkehrende Themen sind die Fortschreibung imperialer Machtverhältnisse und sozialer Strukturen sowie Architektur und Urbanismus.

Balojis Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen in seiner Heimatstadt, in Brüssel, bei der Bamako Biennale (Mali), im Musée du Quai Branly in Paris und bei der Cup Biennale (Südafrika) gezeigt. 2008 gründete er in Lubumbashi den Verein PICHA! (swaheli für „Bild“) mit, der als eines der ersten Projekte gemeinsam mit der Bevölkerung und zeitgenössischen Fotografen anhand historischer Fotografien lokale Geschichte bearbeitet.

Die kubanisch-belgische Künstlerin Lazara Rosell Albear tritt als Tänzerin und Performerin, Drummerin, Filmemacherin und Dichterin auf. Basierend auf Recherchen produziert sie Crossmedia-Projekte, Events und Filme. Rosell Albear machte ihren Master in Audiovisueller Kunst an der Royal Academy of Fine Arts in Gent. Ihre Arbeiten wurden auf verschiedenen Festivals in Belgien, Frankreich, der Schweiz, Deutschland, Argentinien, Chile, Kuba und Island gezeigt.

 

BARE-FACED, 2015

« Ou t’es-tu perdu, mon pareil / En quel coin de la planisphère… / Je n’ai pas de doute, mon miroir / Me renseignera sur ton vouloir / D’encore divaguer sur cette terre. »   (Wo bist Du hin, mein Ebenbild/ In welcher Ecke der Planisphäre…/ Ich habe keinen Zweifel, mein Spiegel/ Teile mit mir Deinen Wunsch/ auf dieser Erde umherzuirren.) Monique Mbeka Phoba, Fragment aus der Gedichtsammlung ‘Yemadja’

Bare-Faced entstand 2011 als Zusammenarbeit zwischen Sammy Baloji und Lazara Rosell Albear für TRANCEMEDIAMIX 2 in Brüssel. Die beiden suchten nach einer gemeinsamen persönlichen Geschichte und verfolgten die zentralafrikanische Kultur von Kongo nach Kuba auf den Spuren ererbter religiöser Praktiken, in denen Trance eine wichtige Rolle spielt. In einer langen Geschichte rassistischer Konstruktionen werden in der Arbeit verfestigte kulturelle Zuschreibungen aufgebrochen.

Bare-Faced ist Installation, Dokumentation, Konzert und Performance. Die Grundlage der Videoarbeit ist eine Performance, die wie ein Boxkampf in sechs Runden strukturiert ist und vielfach Bezug auf andere Arbeiten Balojis nimmt. In einem Interview spricht zunächst Maarten Couttenier, Anthropologe und Historiker am Königlichen Museum für Zentralafrika Tervuren in Belgien, über die Abwesenheit der Geschichte von König Lusinga in der Dauerausstellung des Museums. Lusinga wurde von den Kolonisatoren getötet; sein Schädel war als Trophäe im Namen Leopolds II. nach Belgien gebracht worden und befindet sich bis heute in der Sammlung des Brüsseler Naturkundemuseums. In einer früheren Arbeit fotografierte Baloji den Schädel nach Art anthropologischer (rassentheoretischer) Vermessungen des 19. Jahrhunderts. In weiteren Runden wird Rosell Albears Körper zur Projektionsfläche kolonialer Bilder, erzählt ihre Mutter von den afro-kubanischen religiösen Praktiken ihrer Großeltern, spricht eine männliche Stimme von den Rassismuserfahrungen in Brasilien und dem Versuch von Afro-Brasilianern, ihr Schwarz-Sein mit neuen Begriffen zu erfassen.

 

Zur Museumssommernacht am 11. Juli um 21 Uhr treten Lazara Rosell Albear und Audrey Lauro live im Kunsthaus Dresden auf.