Kapstadt (ZA)

Penny Siopis

* 1953 in Vryburg, lebt und arbeitet heute in Kapstadt.

Penny Siopis ist eine der bekanntesten Filmemacherinnen und Künstlerinnen Südafrikas. Neben ihren filmischen Arbeiten, die bei zahlreichen Festivals, u. a. während der Schmalfilmtage in Dresden 2015 vorgestellt wurden, arbeitet sie mit den Medien Malerei, Fotografie und Installation.

Seit den 1980er Jahren kritisiert Penny Siopis in ihren Werken auf prägnant subtile Weise die Folgen des Kolonialismus und des Apartheidregimes. Sie verbindet persönliche Erinnerungen mit kollektiven Erfahrungen und befragt kritisch die gesellschaftliche Verfasstheit von Südafrika. Häufig stehen Frauenfiguren im Zentrum ihres Interesses, wie etwas in der Fotoarbeit über Sarah Baartman, einer Khoi-Frau, die im frühen 19. Jahrhunderts auf Völkerschauen in Europa zur Schau gestellt wurde. Deren Körper wurde schließlich ausgestopft und wird mit den davon genommenen Abgüssen im Musée de L’Homme in Paris verwahrt. Durch die Auseinandersetzung mit Geschichte und Erinnerung in ihren Werken ist sie eine wichtige Analytikerin der Geschichte Südafrikas und dessen kolonialen Spuren. Mit Familie in Griechenland wuchs die Südafrikanerin in der Provinz Nordkap auf. Nach ihrem Kunststudium an der Rhodes University in Cape Town und am Portsmouth Polytechnic folgte eine Lehrpositionen an der Natal Technikon in Durban und ab 1984 an der Universität Witwatersrand in Johannesburg. Heute lehrt sie als Honorarprofessorin an der Michaelis School of Fine Art der University of Cape Town.

 

LAY BARE BESIDE, 2015

BOUNDARY THING 1&2

Die Videoarbeit Lay Bare Beside zeigt den Umgang mit Human Remains (menschlichen Überresten) in öffentlichen und privaten Sammlungen und deren Scheitern. Penny Siopis erbte kürzlich zwei Schädel von einem medizinischen Zeichner, in dessen künstlerischer Arbeit die Schädel eine wichtige Rolle gespielt hatten. Mit der Beerdigung der Schädel beginnt der Versuch der Künstlerin, die verschiedenen Ebenen der Geschichte aufzudecken: das Zeichnen von Körperteilen als wissenschaftliche Praxis und deren Ursprünge, die unaufgeklärte Herkunft der (echten) Schädel sowie der Umgang mit ererbten Objekten. Die Arbeit kombiniert 8mm-Filme, die Siopis auf Flohmärkten und in Charity Shops fand, mit selbst gedrehten Videosequenzen. In Text, Musik und Bildern verwebt der Film persönliche Geschichten zu einer Reflektion über Human Remains.

Für die Boundary Things 1&2 werden gefundene Objekte miteinander kombiniert, verbinden sich Anbetung von Objekten als Reliquien und der Anfang des ethnografischen Sammelns in Europa mit den Echos von Kolonialismus und Missionsarbeit. Die Heilige Rita, aufgrund einer blutenden Stelle auf der Stirn, die von einem Dorn der Krone Christi stammen soll, von Katholiken verehrt, steht auf einem Fußabguss. Eine Hand berührt einen Knochen mit einem Auge.