Lagos / Ibandan (NGA)

Peju Layiwola

* 1967 in Benin Edo State, Nigeria, lebt und arbeitet in Lagos und Ibandan (Nigeria)

Peju Layiwola beschäftigt sich in ihren installativen und skulpturalen Arbeiten mit dem Umgang mit Traditionen und historischen Objekten. Sie ist Nachkommin des Oba Akenzua II des Edo-Königreichs Benin (1933-1978), der sich für die Rückgabe der 1897 von den britischen Kolonialherren geplünderten Benin-Bronzen einsetzte, und Tochter der ersten Benin-Bronze-Bildhauerin – zuvor war das Handwerk ausschließlich Männern vorbehalten. Layiwolas Faszination für das Königreich Benin und die Kultur der Edo, ihr feministischer Ansatz und die Verbundenheit mit den geraubten Bronzen sind Ausgangspunkt ihres Langzeitprojekts Benin 1897.com: „Art and the Restitution Question“. Layiwola studierte Metallgestaltung an der Universität Benin und Kunst an der Universität Ibadan, wo sie 2004 promovierte. Heute unterrichtet sie Kunst und Kunstgeschichte und leitet den Fachbereich Creative Arts an der Universität Lagos. Ihre Arbeiten, für die sie zahlreiche Auszeichnungen erhielt, werden in Einzel- und Gruppenausstellungen inner- und außerhalb Nigerias gezeigt, ihre Texte erscheinen in diversen Publikationen international.

 

COLUMNS OF MEMORY, 2015

Die Arbeit Columns of Memory erforscht die Bedeutungserweiterungen, die Objekte durch Zitat und Überarbeitung in der Kunst erfahren können. Durch die Kombination von Repliken klassischer Benin-Objekte und eigenen zeitgenössischen malerischen und bildhauerischen Statements macht die Künstlerin Peju Layiwola die Abwesenheit der anlässlich der berüchtigten „Strafexpedition“ des British Empire von 1897 gegen den Oba des Königreichs Benin (heute Benin-Stadt, Hauptstadt des Bundesstaat Edo in Nigeria) geraubten Artefakte explizit.

Columns of Memory (Säulen der Erinnerung) ist Teil einer Reihe von Arbeiten zu den Schlüsselbegriffen „Raub“ und „Restitution“. Die Rückgabe zweier Bronzen an den Oba (König) von Benin im Jahr 2014 durch einen Nachfahren eines der Mitglieder an der Expeditionstruppe, die Benin City 1897 geplündert hatte, zeigt den Versuch, eine historische Ungerechtigkeit zu korrigieren. Viele der Benin-Skulpturen sind noch immer in europäischen und amerikanischen Museen – mehr als 4000 befinden sich außerhalb Nigerias, davon allein ganze zehn Prozent in Dresden –  die teilweise für den Verbleib dieser gestohlenen Arbeiten in westlichen Museen argumentieren. Columns of Memory eröffnet ein versöhnlicheres Verständnis der Geschichte, das neue Sichtweisen auf dieses problematische Erbe und Identität ermöglicht. Die Arbeiten beziehen sich auf die Ikonografie klassischer Benin-Objekte und versuchen, eine Verbindung zwischen dem alten Idiom klassischer Benin-Kunst und ihrer zeitgenössischen Interpretation herzustellen. In den Traditionen des alten Königreichs Benin stand der Oyo-Vogel als Verkünder des Schicksals, mit der Glocke wurden während religiöser Zeremonien die Ahnen gerufen. Sie sind damit bedeutende Bildzeichen, zugleich aber auch in einer neuen Geschichte und dem Gedenken dieser historischen Rückkehr 2014 zugänglich. Die Säulen symbolisieren eine neue Geschichtsschreibung, die die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet.