Johannesburg (ZA)

Michelle Monareng

* 1991 in Johannesburg, Südafrika

lebt und arbeitet in Johannesburg

Monareng studiert derzeit im Master-Programm Bildende Kunst an der University of Witwatersrand. Für ihre Abschlussarbeit erhielt sie den Preis der besten Studierenden im Bereich Bildende Kunst.

Landschaft als Erinnerungsort ist das wesentliche Thema von Monarengs Arbeit, in deren Zentrum die Auseinandersetzung mit dem Archiv ihres Großvaters steht. Seine Farm und die aller anderen Familien des Dorfes Heidelberg bei Johannesburg war durch den Apartheidsstaat enteignet und der Berliner Missionsgesellschaft zugesprochen worden. Die Familie wurde von ihrem Land vertrieben. Monareng arbeitet mit Dokumenten dieser Vertreibung und dem lebenslangen Versuch ihres Großvaters nach dem Ende der Apartheid, das Land zurückzubekommen.

 

*BOLOKA BA LAHLEGILENG*, REMOVAL TO RADIUM, 2015

Video, Ton, 2:23 Min., Fotodrucke

„Erinnerungen sind zentrale Aspekte der Identitätsgründung, aber auch Verschweigen und Vergessen vergangener Ereignisse sind elementar. Das Schweigen über vergangene Ereignisse ist schwer zu interpretieren, denn es lässt eine Lücke in den Geschichten entstehen, die Menschen erzählen.“ – Sean Field

Seit 2012 arbeitet Michelle Monareng mit dem Archiv ihres Großvaters, in dem er über zwanzig Jahre hinweg die Geschichte der Vertreibung der Bewohner von Rietspruit Nr. 417 I.R., einer Farm in Heidelberg südöstlich von Johannesburg im Jahr 1965 sammelte und aufzeichnete. Dieses Archiv besteht aus Memoranda, Fotos und Chroniken, alten VHS- und Audiokassetten von Versammlungen und Treffen als historischen Dokumenten, die den Kampf um die Rückgewinnung dieses Gebiets zeigen. Monareng interessiert sich dafür, wie Leerräume in Archiven durch den Rückbau historischer Interpretationen freigelegt werden können. In ihrer Videoarbeit folgt sie empfundenen Spuren in der Landschaft und fragt, wie sich Wahrnehmungen und Erinnerungen zu einem Narrativ verdichten können. Sie begann, die Leerräume in der Landschaft und im Archiv zu suchen. Die Berliner Evangelische Mission und die Zeit der Apartheid löschten fast alle Spuren der Gemeinschaft. Zeitlinien und Memoranda werden zu einer Landschaft des Schweigens.

Der 1913 verabschiedete Natives Land Act (Act No. 27/1913), der die Aufteilung des verfügbaren Landes an die weiße Minderheit Südafrikas neu regelte, war eines der zentralen Instrumente der gewaltsamen Durchsetzung der Apartheid in Südafrika. Er legte vor einhundert Jahren den Grundstein für die systematische Entrechtung und wirtschaftliche Entmündigung der schwarzen Bevölkerung. Die Folgen dauern bis heute an.