Wien (AT)

Lisl Ponger

*1947 in Nürnberg, Deutschland, lebt und arbeitet in Wien, Österreich.

Lisl Ponger arbeitet als Filmemacherin, Fotografin und Medienkünstlerin. Ihr Schaffen ist inspiriert von Themen wie Fremde und Heimat, Erinnern und Vergessen. In aufwändig inszenierten Fotografien und installativen Arbeiten, die die Definitionsmacht von Bildern, Spuren der Kolonialzeit und Darstellungen des Fremden umkreisen, beschäftigt sich Ponger mit der Problematik kultureller Identität in der Migrationsgesellschaft.

Nach einer Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und mehrjährigem Aufenthalt in Mexiko und den USA entstanden ab 1979 selbstproduzierte Filme. Auch als Fotografin und Medienkünstlerin war Ponger tätig, unter anderem fotografierte sie bei Aktionen von Vertretern des Wiener Aktionismus.

Zu ihren wichtigsten Ausstellungen zählen 2002 die Teilnahme an der Documenta11 und 2007 am Filmprogramm der Documenta 12. 2008/09 widmete das Kunsthaus Dresden ihr eine Einzelausstellung, 2011 stellte sie im Königlichen Museum für Zentralafrika in Tervuren, Belgien, aus. Sie erhielt unter anderem 2005 den Golden Gate New Vision Award des 48. San Francisco International Film Festivals sowie den Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst.

 

WESTERN STILL LIFE, 2013, C-Print

Western Still Life ist ein Untergenre der amerikanischen Malerei des 19. Jahrhunderts, das mit der Darstellung von Objekten wie Cowboy-Stiefeln, Navajo-Decken und ähnlichem ein Bild des Lebens im amerikanischen Westen zeichnet, in dem Ausdrucksformen und Überreste der besiegten indigenen Kulturen als Trophäen integriert werden. In US-amerikanischen Museen liegen die wahrscheinlich größten Sammlungen von Körperteilen indigener Menschen. Während der so genannten Indianerkriege wurden auf den Schlachtfeldern und aus Gräbern Körperteile und sogar Gehirne gesammelt, die bis heute u.a. in der Smithonian Institution in Washington, D.C. verwahrt werden. Die USA haben als erster Staat ein Restitutionsgesetz erlassen – den Native American Graves Protection and Repatriation Act (NAGRPA) – zur Aufarbeitung der Geschichte menschlicher Überreste.

Lisl Ponger arrangiert Objekte – Schädel, Masken, Textilien, einen Scharfschützenanzug der US-Armee – zu einem Zeitbild im Stile holländischer Prunkstillleben und verweist damit auf Ausbeutung und Aneignung. Der Scharfschützenanzug ist eine Replik auf den ersten ethnologischen Spielfilm, „In the Land of the War Canoes“ (1914) von Edward Curtis, er findet aber auch heute noch in Auslandseinsätzen der US-amerikanischen Armee seinen Einsatz.