Innsbruck (AT) / London (GB)

Emma Wolukau Wanambwa

*1976 in Glasgow, Schottland, lebt und arbeitet in London und Berlin.

„Ausgangspunkt der meisten meiner Arbeiten in letzter Zeit war die Frage, was wir erinnern und wie und warum wir es erinnern.“

In Glasgow geboren, studierte Emma Wolukau-Wanambwa 1995-98 englische Literatur in Cambridge und 2006-08 Kunst an der Slade School of Fine Art, University College London.

2012 war sie Fine Art Researcher an der Jan van Eyck Academie in Maastricht, 2012-14 Research Fellow an der Graduiertenschule für die Künste und die Wissenschaften, UdK Berlin, 2014/15 Stipendiatin im Internationalen Fellowship-Programm für Kunst und Theorie am Künstlerhaus Büchsenhausen, Österreich.

Emma Wolokau-Wanambwas künstlerisch-wissenschaftlichen Arbeiteten liegen umfangreiche Recherchen zugrunde, häufig geleitet von der Frage nach Gründen, Umfang und Form des Erinnerns. Vor dem Hintergrund ihrer ugandischen Wurzeln entstanden Projekte im Zusammenhang mit den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen im kollektiven Gedächtnis Ugandas. Sie setzt die Ergebnisse ihrer Recherchen in vielfältigen Medien um, Videos, Installationen und Performances ebenso wie Druckgrafiken und Zeichnungen und jüngst auch Texte.

VON EINGEBORENEN BESCHÄDIGT 2015

Emma Wolukau-Wanambwas Arbeit ist ein Blick zurück nach vorn. Ihre Arbeit Von Eingeborenen beschädigt rekonstruiert einen Teil der Dresdener Kolonialausstellung von 1939. Sie geht der Frage nach, wie in einer Zeit, in der Deutschland schon lange keinen anderen Teil der Welt mehr als Kolonien besetzte, eine koloniale Kulisse inszeniert wurde. In Dresden war 1922 der Kolonialkriegerbund von Georg Maercker gegründet worden, der als General am Völkermord in Deutsch-Südwestafrika (heute Nambia) maßgeblich beteiligt war.

Mit Plastikpflanzen, Sisal und Trophäengeweihen von Antilopen lässt sie einen Teil der Ausstellung wiedererstehen und hinterfragt die Herstellung des „kolonialen Blicks“. Durch den Nachbau dekonstruiert sie die visuellen Strategien des „Nach-Hause-bringens“ der Kolonien. Es fließen Symbole der Deutschen Kolonialzeit wie das Reiterstandbild von Windhoek in Namibia in die Arbeit mit ein. An selber Stelle untersucht sie den Zeitgeist der Ausstellung, die nicht nur kolonialnostalgisch war, sondern Kolonien als Notwendigkeit für einen europäischen Nationalstaat präsentierte, und führt den Verlust der Kolonien als deutschen Minderwertigkeitskomplex vor.

Die Deutsche Kolonialausstellung fand vom 21. Juni bis 10. September 1939 in der Dresdner Johannstadt statt, auf dem heutigen Gelände der Gläsernen Manufaktur. Sie war die letzte Jahresausstellung in Dresden. Zahlreiche Einrichtungen, die die Rückgabe der ehemals deutschen Kolonien forderten, wirkten an der Ausstellung mit: das Museum für Völkerkunde, das Reichsinstitut für ausländische und koloniale Forstwirtschaft und die Bergakademie Freiberg. Heute sind keine baulichen Spuren der Ausstellung mehr erhalten, doch gerade die Abwesenheit von Spuren oder Gedenktafeln verweist auf die Verdrängung der kolonialen Vergangenheit Deutschlands bis heute.