Kapstadt (ZA)

Burning Museum

gegründet 2013 in Cape Town: Justin Davy (*1987), Jarrett Erasmus (*1984), Grant Jurius, Tazneem Wentzel (*1987), Scott Williams (*1980)

Das interdisziplinäre Kollektiv Burning Museum entstand 2013 in Cape Town, Südafrika, aus der Arbeit der fünf Mitglieder zu Fragen des Umgangs mit Geschichte(n) der Exklusion, Identität und Strukturen im öffentlichen Raum ihrer Stadt. Mit Collagen aus stark vergrößerten historischen Fotografien, Dokumenten und Texten, die sie mit Kleister an öffentlich zugänglichen Orten an Wände bringen, legen sie Schichten der Geschichte frei, machen Unsichtbares sichtbar. Sie kritisieren Politiken des Verdrängens und Verschweigens und die Auswirkungen der Gentrifizierung urbaner Räume, vor allem im Südafrika nach dem Ende der Apartheid. Seit den ersten gemeinsamen Arbeiten mit dem Archiv des District Six Museum in Cape Town sind ihre Wheatpastes auch an Wänden in Johannesburg, Durban, Istanbul oder Cotonou (Benin) aufgetaucht, seit 2014 entstehen auch Arbeiten in Galerieräumen, so in TO LET (2013) am Center for African Studies Gallery in Cape Town, und  Plakkers (2014) in der Galerie Brundyn+, Cape Town.

 

THE MISSION AND THE MESSAGE, 2015

Südafrika und Deutschland teilen eine gemeinsame Kolonial- und Missionsgeschichte. Das Kollektiv Burning Museum beschäftigt sich in seiner Arbeit mit den spezifischen Archiven der Herrnhuter Missionsstation Genadendal in Südafrika und des Gründungsorts der Brüdergemeinde in Herrnhut in der Lausitz.

Ausgehend von dem Wortspiel der Missionarsstellung und der Stellung der Missionare in den Kolonien recherchieren sie in den Archiven und setzen ihre persönlichen Erfahrungen innerhalb dieser Geschichte mit dem Archivmaterial in Beziehung. Sie verstehen ihre eigene Position als Folge missionarischer Perspektiven. Die Lebensgeschichte von Vorfahren einzelner Künstler des Kollektivs und damit die der Künstler selbst ist eng verwoben mit der Herrnhuter Mission. Keines der Mitglieder des Kollektivs ist jedoch selbst praktizierender Herrnhuter oder sieht sich missionarischen Moralvorstellungen verpflichtet. So werden sie zu einer Art Boundary Object: Weder Insider noch in der Lage, sich der Geschichte zu entziehen.

Burning Museum sehen das Vertrauen auf Texte, Dokumente, Verweise und Zitate als eurozentrisches Erbe und als Fetisch für Objektivität, Fakten und „Wahrheit“, als begleitender erkenntnistheoretischer Schatten. Das Kollektiv verknüpft persönliche und historische Narrative auf einer Grenzwanderung hin zu einem Ort, an dem Fragen anders gestellt werden können. Die Collagen basieren auf Fotografien aus dem Unitätsarchiv der Evangelischen Brüdergemeinde Herrnhut von den Missionsstationen Genadendal und Elim in Südafrika und aus den persönlichen Bildarchiven der Künstler/innen.

Mit der Installation versuchen sie, die Dualität von Missionar und Einheimischem, Subjekt und Objekt visuell und textlich umzukehren, die Botschaft aus einer neomissionarischen Position heraus zurückzubringen.